Die französiche Zeit
Koblenz
Die französische Zeit
Während der letzten Jahre der Regierungszeit des Clemens Wenzeslaus beherbergte die Stadt Koblenz Anzahl französischer Emigranten in ihren Mauern, die Revolutionswirren ihr Land verlassen hatten.
Der Kurfürst hatte dem hohen Adel das Koblenz benachbarte Schloß Schönbornslust, den Von-der-Leyenschen Hof, ja selbst den neuen Schloßbau zur Verfügung gestellt. Am 23. Oktober 1794 besetzte das französische Revolutionsheer unter General Marceau die Stadt. Der Tag der Besetzung war zugleich das Ende des kurfürstlichen und geistlichen Regimentes.
Koblenz wurde Sitz des Präfekten des Rhein-Mosel-Departements. Mit dem Frieden von Luneville kam das gesamte linksrheinische Gebiet an Frankreich.
Die Napoleonische Zeit brachte aber nicht nur eine politische Umorientierung, sondern auch totale Veränderungen auf allen anderen Gebieten. Die Säkularisation bedeutete das Ende des geistlichen Besitzes.
Die Stifte St. Kastor und St. Florin z. B. wurden aufgehoben, die zum Teil alten Stiftsgebäude abgerissen, ein unersetzlicher Wert kirchlicher und sakraler Kunstwerke ging der Stadt verloren.
Schon unter Clemens Wenzeslaus gestattete das Toleranzedikt von 1783 den Protestanten, sich in der Stadt anzusiedeln. Jetzt - 1802 - erhielt die junge evangelische Gemeinde das St.-Mar-tins-Klösterchen. Jahre später die profanen Zwecken dienende Florinskirche und die Schloßkapelle.
Im gesamten Land wurden eine neue Landordnung, eine neue Rechtsordnung und damit auch eine neue Municipalverfassung eingeführt. Abgaben und Rekrutierungen drückten die Bevölkerung. Dennoch hatte die Stadt in dieser bewegten Geschichtsepoche die kurze Amtszeit eines hervorragenden Präfekten zu verzeichnen, die von Lezay Marnesia. Musikinstitut und Casino-Gesellschaft (1808) wurden gegründet, Einrichtungen, die noch heute bestehen.
Das Theater florierte. Im Metternicher Hof entstand eine Rechtsfakultät. Hier wirkte als bedeutender Interpret des Code Napoleon Franz von Lassauix. Fürst Metternich und Josef Görres, der mächtige österreichische Staatskanzler und der gewaltige Publizist, sind Söhne dieser Stadt.
Einrichtungen wie die Mairieverfassung und der Code Napoleon blieben bis zur Ablösung durch die preußische Gemeindeordnung vom Jahre 1845 und bis zur Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches in den linksrheinischen Gebieten bis zum Jahre 1900 in Geltung.